Geschichte

Auch die Vergangenheit muss ihren Platz haben in einer Gemeinde, damit die wichtigen Entscheidungen und Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten. Von großer Bedeutung ist daher das Gemeindearchiv.

Der Ort Graben

In einer geschichtsträchtigen Gegend des Lechfeldes, etwa 25 Kilometer südlich von Augsburg, liegt das idyllische Dorf Graben. Der Ort wurde wahrscheinlich im 7. oder 8. Jahrhundert von Schwabmünchen aus gegründet und hat im Jahr 955, als die Schlacht auf dem Lechfeld stattfand, schon geraume Zeit bestanden.


Grossansicht in neuem Fenster: Die Schlacht auf dem Lechfeld

Verkehrsmäßig wurde das Lechfeld schon immer von wichtigen Straßen durchzogen. Etwa im Jahr 48 n. Chr. entstand die „Via Claudia“, bekannt nach dem römischen Kaiser Claudius. Sie führte von der Römerstadt Altino über den Reschenpaß durch das Lechfeld über Augsburg bis zur Donau und galt über Jahrhunderte als bedeutendste Handelsstraße. Das noch gut erhaltene Teilstück liegt im östlichen Bereich des Ortes.

 

Mit besonderem Stolz erfüllt die Gemeinde Graben, dass sie Heimat eines Adels- und Kaufherrengeschlechts ist, das aufgrund seines gewaltigen Vermögens einst maßgeblichen Einfluss auf den Gang der Weltpolitik und die wirtschaftliche Entwicklung nehmen konnte: das Geschlecht der Fugger.

Grossansicht in neuem Fenster: Kirche St. Ulrich und Afra

Im Jahr 1367 verließ Hans Fugger, Sohn einer alteingesessenen Grabener Weberfamilie, sein Heimatdorf und legte in Augsburg den Grundstein für den späteren Fugger´schen Weltruhm. Es bildeten sich die beiden Fuggerlinien „Fugger vom Reh“ und „Fugger von der Lilie“, deren Symbole im Gemeindewappen von Graben vereinigt sind. Das jeweilige Haupt der fürstlichen Linie Fugger-Babenhausen ist seit 1899 automatisch Ehrenbürger von Graben.

 

Ein Denkmal besonderer Art erinnert im Ort daran, dass die Pfarrei Graben vermutlich über ein halbes Jahrhundert lang zum Domkapitel zählte: es ist die über dem Dorf thronende und auf dem Lechfeld weithin sichtbare Kirche St. Ulrich und Afra.

 

Der Ortsteil Lagerlechfeld

Als siedlungsschwacher, wenig bewirtschafteter, ebener Leerraum bot sich das auf den östlichen Niederterrassen liegende eigentliche Lechfeld zu allen Zeiten als Schlachtfeld an. Im Verlauf der Jahrtausende sind durch Kriegsereignisse, Gefangenenhaltung, Massenausrottung und Seuchen auf dem Lechfeld umgekommen: Kelten, Römer, Germanen, Frühchristen (Frühzeit), Awaren (8. Jahrhundert), Ungarn (955), aufständische Bauern (1525), viele Einheimische (Dreißigjähriger Krieg, Kriege des 18. Jahrhunderts, französische Revolutionskriege), Franzosen, Zuaven und Turkos (1870/71), kriegsgefangene Franzosen, Engländer, Italiener, Russen, Rumänen, Serben, deutsche Soldaten (1914 bis 1919), verwundete und kranke deutsche Soldaten (1940 bis 1949), Juden 1944, Flüchtlinge (1946).

 

Sieht man von den Lagern ab, die Kriegsvölker und Neusiedler zu allen Zeiten errichtet haben, so beginnt die eigentliche Lagertradition der Durchreisenden auf dem Lechfeld im Jahr 1870. Am 13. August 1870 trafen die ersten Franzosen ein, im Verlauf des Krieges wurden es 9000, darunter auch französische Kolonialsoldaten, Zuaven und sogenannte "Turkos".

 

Im Ersten Weltkrieg sah das Lechfeld rund 20 000 Kriegsgefangene. „Lechfeld -Schicksalsfeld“, mit Recht wurde dieser Begriff geprägt.

 

Der Beginn der Militärfliegerei geht auf das Jahr 1910 zurück; eine Halle für zwei Doppeldecker wurde gebaut. Die Entwicklung von Kampfflugzeugen wurde auch während des Zweiten Weltkriegs fortgesetzt; das Raketenflugzeug M 163 und das erste Düsenflugzeug der Welt (ME 262, geflogen von General Galland) wurden in Lechfeld erprobt. In der Rüstung waren rund 1000 Personen beschäftigt, darunter auch russische Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus Hurlach.

 

1944, nach den großen Luftangriffen der Alliierten, lagen die meisten Gebäude des Flugplatzes in Trümmern; was an militärischen Einrichtungen stehen blieb, wurde von den Siegermächten durch Sprengungen beseitigt. Die entlang der Bahnlinie zwischen 1900 und 1910 entstandenen privaten Häuser wurden infolge der Kriegseinwirkungen stark beschädigt und teilweise unbewohnbar. Am 7. Juli 1956 erfolgte die 1. Flaggenhissung durch die Bundeswehr.

Grossansicht in neuem Fenster: Altes Lazarett

Gut erhalten ist noch das Alte Lazarett, das Eigentum des Freistaates Bayern ist. Rund um einen wunderschönen Park sind alte Backsteinhäuser angeordnet, die zum Teil noch bewohnt sind. Im Hauptgebäude des Lazaretts ist heute die Post untergebracht.


Durch die Bahnstation Lagerlechfeld (1877 erbaut) entstand eine Schienenverbindung zwischen Augsburg und Landsberg, die bis zum heutigen Tag den Güter- und Personenverkehr bewältigt.

 

Die Gemeinde Graben heute

Die Gemeinde Graben liegt etwa in der Mitte zwischen Augsburg und Landsberg an der vierspurig in Tieflage durch Lagerlechfeld ausgebauten B 17 und an der Bahnlinie Augsburg-Landsberg.

Grossansicht in neuem Fenster: Luftbild Ort Graben (ca. 1995)

Die politische Gemeinde besteht aus dem Ort Graben und dem nördlichen Ortsteil von Lagerlechfeld. Der südliche Ortsteil wird von der Nachbargemeinde Untermeitingen verwaltet. Die Gemeindegrenze verläuft entlang der Jahnstraße über die neue B 17 auf den Wasserturm zu. Die Infrastruktur befindet sich allerdings zum größten Teil im Gemeindegebiet von Graben: die beiden Kirchen mit ihren jeweiligen Pfarrämtern, Sportanlagen, Banken, Bahnhof, Post, Friedhof, Kindergarten und Einkaufsmöglichkeiten.

 

Der Ort Graben ist landwirtschaftlich strukturiert, auch wenn die Landwirtschaft in vielen Bereichen im Rückzug begriffen ist. Die Ausweisung neuer Baugebiete sorgte für den Zuzug vieler Neubürger aus der Umgebung und gab dem örtlichen Leben in jeder Hinsicht Aufschwung.

 

Der Ortsteil Lagerlechfeld ist geprägt durch den Flugplatz Lechfeld, der mit seinen knapp 5000 Beschäftigten der bedeutendste Wirtschaftsfaktor auf dem Lechfeld ist. Die Gemeinde Graben ist Standortgemeinde des Flugplatzes und pflegt mit der Bundeswehr einen engen Kontakt und eine harmonische Zusammenarbeit. Bekannt ist der Flugplatz Lechfeld in erster Linie durch das Jagdbombergeschwader 32, das an internationalen Einsätzen beteiligt ist.

Grossansicht in neuem Fenster: Rathaus

Ein bedeutender Einschnitt in der Geschichte der Gemeinde war die Gebietsreform 1978, als die drei Gemeinden Graben, Klosterlechfeld und Untermeitingen zur Verwaltungsgemeinschaft Lechfeld zusammengeführt wurden. 15 Jahre später schuf der Bayerische Landtag auf Antrag der Gemeinde die rechtliche Grundlage für die Ausgliederung der Gemeinde Graben aus der Verwaltungsgemeinschaft. Seit 1. Januar 1994 verfügt die Gemeinde Graben neben der politischen Selbständigkeit damit auch wieder über eine eigene Verwaltung, die ihre Aufgaben nun in dem 1995 neu errichteten Rathaus wahrnimmt.

 

Mit dem Neubau eines Drei-Gruppen-Kindergartens im Ortsteil Lagerlechfeld und dem bestehenden Drei-Gruppen-Kindergarten in Graben verfügt die Gemeinde über die Möglichkeit, jedem Kind einen Kindergartenplatz anbieten zu können.

 

Der Ortskern wurde 1995 durch die Anlage eines Rathausplatzes gestärkt, der mittlerweile zum Zentrum des örtlichen Dorflebens geworden ist.

Grossansicht in neuem Fenster: Grundschule

Anfang 1996 konnte eine zweizügige Grundschule in Betrieb genommen werden, die eine wunderschöne und gut besuchte Gemeinde- und Schulbücherei beherbergt. Die alte Schule musste in den 70er Jahren wegen Mangel an Kindern aufgegeben werden. Heute nutzen der Musikverein und der TSV Graben dieses Gebäude.

 

Das ehemalige Rathaus und Feuerwehrhaus wurde 1998 zu einer schulvorbereitenden Einrichtung für entwicklungsverzögerte Kinder umgebaut und an den Verein zur Erziehungshilfe und Sprachförderung e.V. des Bezirks Schwaben vermietet. Der Verein betreut dort etwa 60 Kinder im Kindergartenalter.

Grossansicht in neuem Fenster: Feuerwehrgerätehaus

Die Feuerwehr wurde 1999 in einem neuen Feuerwehrgerätehaus untergebracht.

Auch für die Zukunft gibt es große Pläne: ein kombiniertes Bürgerhaus und Sportheim im Bereich der Sportanlage Lagerlechfeld, die Erweiterung der Friedhöfe, eine neue Freizeitanlage im Westen von Lagerlechfeld und vieles mehr steht auf dem Wunschzettel der Gemeinde für die nächsten Jahre.

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